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Der Erste Weltkrieg

Internierung

Während des Ersten Weltkrieges wurden 6890 Deutsche interniert, von denen 4500 vor 1914 in Australien wohnhaft waren; die Übrigen waren Seeleute von deutschen Kriegsschiffen oder Handelsschiffen, die die australischen Behörden in australischen Häfen bei Kriegsausbruch verhafteteten, oder sie waren deutsche Staatsbürger, die in britischen Territorien in Süd-Ost-Asien wohnten, und die auf Wunsch der britischen Regierung nach Australien transportiert wurden. Einige Internierte waren Besucher, die hier vom Kriegsausbruch überrascht wurden. Ungefähr 1100 der Gesamtzahl waren Staatsbürger des Österreichisch-Ungarischen Reiches, und von ihnen waren etwa 700 Serben, Croaten und Dalmatiner aus Österreich-Ungarn, die in den Bergwerken von Western Australia arbeiteten.

Der australische Handel mit Deutschland und die Einwanderung aus Deutschland waren für die ersten paar Jahre der 1920er verboten. Beamte im deutschen Außenministerium schrieben in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts, dass anti-deutsche Gesinnungen in Australien stärker zu sein schienen als in allen anderen englischsprachigen Ländern.

Geschäftskonkurrenten & Unruhstifter in Gewerkschaften

Während des Ersten Weltkrieges wollte die australische Regierung verhindern, dass Firmen, die von Geschäftsleuten deutscher Abstammung betrieben wurden, mit „britischen“ Firmen konkurrieren, falls Firmen, die Deutsch-Australier betrieben, irgendwie den deutschen Kriegskräften in Europa helfen könnten. Ein leichter Weg zu diesem Ziel war es, die Direktoren und Manager solcher Firmen zu internieren, selbst wenn sie naturalisierte britische Staatsbürger waren.

Beispiele:

Punkt Franz Wallach und Walter Schmidt von der Australian Metal Company (Tochtergesellschaft eines Unternehmens in Deutschland) in Melbourne;
Punkt Oskar Plate von der Norddeutschen Lloyd Steamship Company in Sydney;
Punkt Edmund Resch, der Sydneyer Brauer (der seit 50 Jahren in Australien lebte);
Punkt Carl Zoeller, ein erfolgreiches und populäres Mitglied der deutsch-australischen Gemeinschaft in Brisbane, der medizinische und chirurgische Ausrüstung importierte und herstellte;
Punkt Frederick Monzel, Verleger und Drucker der Zeitung Queenslander Herald.

Australische Arbeiter und selbständige kleine Geschäftsleute brauchten das Gefühl, dass auch sie etwas zu den Kriegsleistungen des Britischen Reiches beitrugen. Wenn sie nun der Regierung die Internierung eines Deutsch-Australiers empfahlen, waren sie patriotisch, aber sie wollten natürlich besonders gern das empfehlen, was ihnen einen persönlichen Vorteil brachte, zum Beispiel die Internierung eines Geschäftskonkurrenten. In Melbourne schickte Mr F.W. Abbott, der Manager von „The Neway“, einem Reinigungs- und Färberei-Unternehmen in der Little Collins St, an die Regierung die Namen von drei Geschäftskonkurrenten, die in seiner Behauptung Deutsche waren. Er schrieb:

Cannot Germans trading under British names be made to disclose their names? This applies to all classes of business in Australia. There would be nothing harsh about such a regulation if passed as they will still have an open chance to trade and to get business from those people of Australia who are not loyal enough to stick to their own people.

Klar diente Mr Abbotts Beschwerde seinem eigenen Geschäftsinteresse. Die Regierung führte ein Gesetz ein, das es „enemy aliens“ (Staatsbürgern des Feindes) verbot, ihre Namen zu ändern. Ein Kellner in Melbourne schickte den Behörden eine Liste mit den Namen von „enemy aliens“, die in verschiedenen Hotels und Cafés in der Stadt arbeiteten. Einige Professoren im Rat der Universität Melbourne verhinderten die Ernennung von zwei Dozenten deutscher Abstammung. Dr Maximilian Herz, Australiens berühmtester orthopädischer Chirurg, wurde interniert. Er hatte in Australien eine Pionier-Rolle in der orthopädischen Chirurgie gespielt. Die Sydneyer Zweigstelle der British Medical Association (der damalige Name der Australian Medical Association) annullierte die Mitgliedschaft von deutsch-gebürtigen Ärzten und agitierte für die Deportierung von ihnen. Sie schrieb (in Übersetzung):

„Es ist nicht im öffentlichen Interesse, dass Mediziner eines feindlichen Landes die Erlaubnis haben im Commonwealth zu praktizieren.“

Ohne Zweifel hat es der Sydneyer Zweigstelle der British Medical Association nicht gefallen, dass Dr Herz die Maßstäben von australischen Ärzten auf verschiedenen Konferenzen vor dem Krieg kritisiert hatte.

Bei einer Gerichtssitzung in Temora, westlichem New South Wales, wurde „ein britischer Untertan“ beschuldigt, obszöne Sprache in der Bar des Empire Hotel benutzt zu haben. Polizeirichter N.A. Ormonde Butler wies den Fall ab, weil die beiden Zeugen für die Anklagebehörde unnaturalisierte Deutsche waren. Er sagte ihnen (in Übersetzung):

„Man sollte Sie und Ihren Freund internieren. Es ist ein öffentlicher Skandal, dass die Bundesregierung es erlaubt, dass unnaturalisierte Deutsche in wehrfähigem Alter unter und in Konkurrenz mit britischen Untertanen arbeiten.“

Aus dieser Aussage scheint es, dass eine nationale australische Identität damals noch nicht sehr entwickelt war; die Bindung an Großbritannien war sehr stark. Erst im Jahre 1949 hat eine australische Bundesregierung die australische Staatsbürgerschaft eingeführt.

Die Gewerkschaften waren gegen Deutsche in australischen Betrieben, egal ob sie Gewerkschaftsmitglieder waren oder nicht. Der Krieg verursachte einen Rückgang im Lebensstandard, höhere Arbeitslosigkeit und höhere Preise, und das brachte Feindseligkeit gegen Bürger deutscher Abstammung. In einigen Betrieben weigerten sich Australier, mit Deutschen zu arbeiten. Die australische Regierung betrachtete Deutsche als Unruhstifter in den Betrieben, die Streiks anzettelten, um die Kriegsleistung des Britischen Reiches zu schwächen und um Deutschland zu helfen.
Example:

Punkt Ernst Buchwitz, ein Arbeiter an der Baffle Creek Zuckerfabrik bei Bundaberg und ein Beamter in der Australian Workers Union (Australische Arbeitergewerkschaft), wurde interniert und später deportiert, weil er „Unruhe zwischen den Männern und der Fabrikleitung“ anstiftete, eine Klage, die Buchwitz bestritt.
Punkt C.S. Schache, ein Hafenarbeiter in Gladstone, Queensland, und „ein Australier der zweiten Generation mit deutschem Großvater“, wurde interniert, weil er der Ortssekretär in der Workers' Political Organisation war.
Punkt Willy Gubba in Melbourne wurde interniert, weil er Mitglied der Australasian Socialist Party war. Er war Kellner in einem Restaurant im Besitz eines Deutsch-Australiers, und die Detektive, die den Fall für das Verteidigungsamt untersuchten, berichteten, dass sie hörten, dass „alle Deutschen in und um Melbourne von allen Schichten“ das Restaurant besuchten. Es gab keinen Beweis, aber die Detektive kamen zum Schluss, dass andere Deutsche von größerem gesellschaftlichem und finanziellem Einfluss jemanden wie Gubba, als einfacher Kellner, benutzten, und dass das Restaurant der Kanal war, den Gegner Australiens benutzten, um den Sozialisten zu helfen, einen so starken Kampf gegen die Wehrpflicht zu führen. Die australische Regierung glaubte, dass es überall in Australien deutsche Spione gab.

Wie schwächt man die deutsch-australische Gemeinschaft?
- die Leiter der Gemeinschaft internieren

Das Verteidigungsamt betrieb eine Politik, die Leute zu internieren, die es für Leitfiguren der deutsch-australischen Gemeinschaft hielt, besonders in Südaustralien und in Queensland, den Staaten mit dem höchsten Prozentsatz von Personen deutscher Abstammung, und auch wo es besondere Distrikte mit Gruppensiedlungen gab (obwohl die Deutsch-Australier bis 1914 in vielen von diesen Distrikten eine Minorität waren). Die Regierung wollte die deutsh-australische Gemeinschaft als eigenes sozio-kulturelles Element in der australischen Gesellschaft zerstören. Mit dieser Absicht hat die Regierung die deutschen Vereine/Klubs geschlossen, und in vielen Orten wurden die lutherischen Schulen geschlossen (alle in Südaustralien wurden geschlossen, auf der anderen Seite wurden in Victoria keine Schulen geschlossen; die deutsch-australische Gemeinschaft hatte in Südaustralien ein höheres Profil). Die Leiter der Gemeinschaft wurden auch interniert.

Konsule und Pastoren

Abgesehen von führenden Geschäftsleuten betrachtete das Verteidigungsamt die Konsule und die Pastoren als Leiter in der deutsch-australischen Gemeinschaft. Die fünf Konsule, die in Australien interniert wurden, waren nicht Berufsdiplomaten, sie waren Wahlkonsule (sie machten die Konsularbeit als Nebenbeschäftigung, ehrenamtlich), und die meisten von ihnen waren naturalisierte britische Untertanen. Die fünf waren: Eugen Hirschfeld von Brisbane, Ludwig Ratazzi von Perth (er war deutscher und italienischer Abstammung; für beide Länder war er Konsul), Alfred Christian Dehle von Hobart, Otto Johannsen von Newcastle, und Wilhelm Friedrich Christian Adena von Melbourne. Als prominente Geschäftsleute galten ihre Geschäftsaktivitäten als gegen das britisch-australische Interesse gerichtet. In Südaustralien wurde Konsul Muecke für kurze Zeit im April 1916 in Fort Largs interniert, dann war er vom Mai bis Oktober im Hausarrest in seinem eigenen Haus mit einer militärischen Wachmannschaft, während sein jüngster Sohn bei den australischen Streitkräften in Frankreich kämpfte, nachdem er früher bei Gallipoli (Dardanellen) verwundet worden war. In Südaustralien wurde Pastor Nickel für kurze Zeit interniert, aber danach passierte das keinen anderen Pastoren. In Queensland wurden neun Pastoren interniert, sechs von ihnen waren naturalisierte britische Untertanen. Zwei von ihnen waren in Australien geboren, einschließlich Pastor Friedrich Gustav Fischer von Goombungee. Er war im Jahre 1876 in Südaustralien geboren, und seine beiden Eltern waren auch in Südaustralien geboren. Das Bundeskabinett billigte die Internierung von Fischer aufgrund eines Nachrichtenberichts vom Verteidigungsamt - im Bericht stand (in Übersetzung):

Die Lage in den deutschen Distrikten macht den britischen Einwohnern große Angst, und die beste Weise, diese Angst zu beruhigen, sowie die deutschen Einwohner unter Kontrolle zu halten, ist ab und zu ein paar Leiter von den deutschen Einwohnern zu internieren. Aus diesem Gesichtspunkt hält man die Internierung von Fischer für berechtigt.

(Man kann sehen, wie „britisch“ und nicht „australisch“ die damalige Gesellschaft in Australien sich fühlte.)

Die Lager

Foto: Lager
Internierungslager, Torrens Island, SA, 1914
(State Library of South Australia)
Foto: Internierte
Internierte, Torrens Island, 1915
(State Library of South Australia)

Bald nachdem der Krieg ausbrach, musste die australische Regierung Unterbringung für die große Anzahl Menschen aufstellen, die interniert wurden. Deshalb wurden in allen sechs Bundesstaaten Konzentrationslager etabliert. Diese Idee wurde zum ersten Mal im südafrikanischen Burenkrieg 1899-1902 von der britischen Regierung eingesetzt. In drei Staaten (Tasmanien, Südaustralien und West-Australien) waren sie auf Inseln nicht weit von der Hauptstadt. Bis Ende Mai 1915 waren fast 3000 Menschen interniert:

Enoggera, Queensland (Vorort von Brisbane) 137
Holdsworthy, NSW (südöstlich von Liverpool) 1342
Langwarrin, Victoria (südöstlich von Melbourne) 420
Torrens Island, S.A. (im Hafen von Port Adelaide) 355
Rottnest Island, W.A. (Indischer Ozean, bei Fremantle) 628
Bruny Island, Tasmania (südlich von Hobart) 58
GESAMTZAHL 2940

 

Zwei Monate später traf die Regierung die Entscheidung, diese regionalen Lager zu schließen und die Internierten in Konzentrationslager in Neu-Süd-Wales zu versetzen. Vielleicht hat sie diese Entscheidung getroffen, um Kosten zu sparen (zum Beispiel, alle australischen Soldaten mussten bezahlt werden, die in den Lagern als Wächter arbeiteten), um die Kommunikation zwischen den Lagern und dem Hauptquartier in Melbourne zu erleichtern, und um sicher zu sein, dass alle Wachsoldaten die Gefangenen nach den Richtlinien behandelten. Es gab Beschwerden, dass Wachsoldaten auf Rottnest Island oft Bajonette gegen Internierte benutzt hatten, und auf Bruny Island waren die Gefangenen in den Streik getreten, und die Regierung hatte wegen eines Skandals, in dem Gefangene auf Torrens Island gepeitscht wurden, eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Für diese Zentralisierung der Internierten wurde das Holdsworthy-Lager sehr vergrößert, und zwei Sonderlager wurden auch in Neu-Süd-Wales gegründet, beides in Gefängnissen, die nicht mehr gebraucht wurden. Das erste Sonderlager, in Berrima (130 km südwestlich von Sydney auf der Südlichen Hochebene), war hauptsächlich für Schiffsoffiziere und Seeleute, und das Lager in Trial Bay (an der Nordküste von NSW) war für etwa 500 Internierte, von denen die meisten aus britischen Territorien in Süd-Ost-Asien und den Pazifischen Inseln deportiert worden waren. Es gab auch ein Familienlager in Bourke im Nordwesten von NSW für überseeische Internierte mit Frauen und Kindern und einigen weiblichen Verwandten. Für viele Internierte war die lange Reise von ihrem regionalen Lager zu ihrem neuen Lager in NSW unangenehm. Viele beschwerten sich über grobe Behandlung durch die Polizei oder Militärbeamten. Während ihrer Bahnreise waren viele in Handschellen; es war sicher nicht angenehm, in der Öffentlichkeit wie Kriminelle behandelt zu werden. Das Gepäck von vielen Gefangenen ging unterwegs verloren, und einige fanden, dass man ihr Gepäck aufgebrochen hatte und Sachen gestohlen hatte.

Foto: Lager
Internierungslager, Holdsworthy, NSW

In den Lagern organisierten die Internierten ihre eigene Unterhaltung und viele kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Sie bildeten Chöre und Orchester, und veranstalteten Theateraufführungen. Dr Maximilian Herz dirigierte viele erfolgreiche Aufführungen in Trial Bay. In Berrima bauten die gefangenen Seeleute viele verschiedene Bootsmodelle und hatten Regatten und Bootsausstellungen auf dem Wingecarribee-Fluss. Bei einer Ausstellung früh im Jahr 1918 war die australische Bevölkerung von Berrima überrascht, als sie eine venezianische Gondel, ein maßstabgetreues Modell des Segelschulschiffs Preußen, eine chinesische Dschunke und ein U-Boot sahen. Die Berrima-Gefangenen durften durch ihre Arbeit auf örtlichen Farmen Geld verdienen.

Zusammengefasst aus:
Fischer, Gerhard. 1989. Enemy aliens: internment and the homefront experience in Australia. 1914-1920. University of Queensland Press, St Lucia (Qld).
Tampke, Jürgen and Colin Doxford. 1990. Australia, Willkommen. New South Wales University Press.

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