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Missionare

Ebenezer Mission, 1859-1904
in der Nähe von Antwerp, im Nordwesten Victorias

Kurze Geschichte der Ebenezer Missionsstation

(Foto © D. Nutting) KircheDie Ebenezer Missionsstation im Nord-westen Victorias wurde 1859 von der Herrnhuter Brüdergemeine zum ersten Mal gegründet. Die Herrnhuter sind eine protestantische Religionsgemeinschaft und man nennt sie auch „mährische Brüder“ (Mähren = östlicher Teil von Tschechien). Diese Kirche war sehr aktiv in der Missionsarbeit und hat seinen Sitz immer noch im heutigen Bundesland Sachsen in Deutschland. Die Missionsstation wurde etabliert, um die Ureinwohner des Gebiets zu ‚zivilisieren‘ und zu ‚christianisieren‘. Die Mehrzahl der Ureinwohner, die auf der Missionsstation und in der Umgebung wohnten, war von der Werigaia-Sprachengruppe; die Missionsstation stand auf dem Land, das vor der Ankunft der Europäer traditionell ihnen gehörte.

Die Herrnhuter hatte eine lange Geschichte in der Missionsarbeit, die 1732 mit ihrer Missionsstation auf der karibischen Insel St Thomas begann. Sie gründeten Missionsstationen weltweit. In den 1840ern hatte man sie eingeladen, eine Missionsstation in der Kolonie Victoria zu eröffnen. Nach ein paar Jahren von Verhandlungen mit der kolonialen Regierung wurden zwei Missionare hinausgeschickt, um eine Missionsstation bei Swan Hill am Lake Boga zu gründen. Diese Missionsstation wurde 1856 ohne Erlaubnis vom Herrnhuter-Sitz in Deutschland aufgelöst. Die Mission galt als ein Misserfolg, da man keine Ureinwohner zum Christentum bekehrt hatte.

Ohne entmutigt zu sein, etablierten die Herrnhuter 1859 eine andere Missionsstation in Victoria mit dem biblischen Namen Ebenezer. Die Mission lag circa 20 km südlich vom Lake Hindmarsh, am Ufer des Wimmera-Flusses. Die ersten zwei Missionare an der Mission waren Bruder Hagenauer und Bruder Spieseke. Da Deutsch ihre Muttersprache war, verbrachten sie einige Monate in England, um vor ihrer Abfahrt nach Australien ihr Englisch zu verbessern.

Obwohl die Herrnhuter Missionare Deutschsprachige in einer britischen kolonialen Umwelt waren, hatten sie doch Freunde unter den Regierungsbeamten. Charles La Trobe, der früher Gouverneur von Victoria war, war selbst Mitglied der Londoner Ortsgruppe der mährischen Kirche. Er hatte noch Einfluss in Victoria und unterstützte die Missionare. Die Herrnhuter wurden auch von der lutherischen Kirche von Victoria sowie von vielen anderen Organisationen unterstüzt.

Nach der Ankunft im Jahre 1858 in Australien wählten Bruder Hagenauer und Bruder Spieseke die Lage für die Mission aus vier Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung standen. Sie wählten das Ufer des Wimmera-Flusses, weil diese Lage am weitesten entfernt von dem negativ gesehenen Einfluss anderer Siedler lag. Eines der ersten Dinge, die die Missionare taten, war eine Schule für die Ureinwohner zu eröffnen. Durch Schulung hofften sie, den Ureinwohnern das Lesen zu lehren und sie auch in europäischen Sitten zu 'zivilisieren'. Obwohl der Unterricht auf Englisch gehalten wurde, lernten die Missionare auch die örtliche Sprache der Ureinwohner, um die Ureinwohner über Gott in ihrer Muttersprache zu unterrichten. Da Englisch die Sprache der Kolonie war, war Englisch auch die Arbeitssprache der Missionsstation. Außer der Schule und den Gottesdiensten waren die Ureinwohner auf der Station auch stark beteiligt am Bau der Häuser aus Stein und Holz, die ihre Unterkunft waren, und die Männer waren auch bei der Jagd, dem Angeln und dem Ackerbau beteiligt. Die Frauen lernten europäische Haushaltsführung.

Besucher staunten über den blühenden Garten auf der Station. Der Garten wurde durch eine Wasserleitung aus dem Wimmera-Fluss bewässert, die der Missionar Hartmann baute. Sowohl der Wind als auch Pferdekraft konnten die Pumpe treiben, die das Wasser heraufzog.

(Foto © D. Nutting) Grabstein Der erste Bekehrte zum Christentum war ein junger Ureinwohner namens Nathaniel Pepper. Er wurde am 12. August 1860 getauft, genau ein Jahr nach der Eröffnung der Mission. Sein Bruder, Phillip Pepper, ist im Kirchenfriedhof beerdigt. Sowohl Nathaniel als auch Phillip, sowie viele andere Ureinwohner, wurden von den Herrnhuter Brüdern getauft, und durften ihre eigenen Taufnamen wählen. Obwohl Phillip einen Grabstein hat, haben fast alle der 150 anderen Ureinwohner, die auf der Station beerdigt sind, keinen Grabstein.

Wegen des Erfolgs der Ebenezer-Mission verließ Bruder Hagenauer die Station 1861, um eine andere Missionsstation in Gippsland zu gründen namens Ramahyuck, am Lake Wellington, wo damals circa 200 Ureinwohner lebten. Während der Zeit der Missionsstation Ebenezer gab es sieben Missionare. Die meisten von diesen Männern hatten die Hilfe ihrer Ehefrauen in ihrer Arbeit. Der zweitletzte Missionar, der in Ebenezer eingestellt wurde, war Bruder Kramer.

(Foto © D. Nutting) Grabstein Bruder Kramer kam 1864 nach Australien, um an einer Forschungsreise in Zentral-Australien teilzunehmen, mit der Absicht, dort eine Missionsstation zu etablieren. Nach der tragischen Expedition von Burke & Wills wollten viele Leute den Ureinwohnern des Gebiets ihre Dankbarkeit ausdrücken dafür, dass sie dem Expeditionsmitglied King geholfen hatten, der als einziger die Reise zur Nordküste überlebte. Die Herrnhuter Brüder waren keine Ausnahme. Vier Missionare wurden hinausgeschickt, aber die Missionstätigkeit dauerte nicht sehr lange. Bruder Kramer kam nach Victoria zurück und verbrachte etwas Zeit an der Missionsstation in Gippsland (Ramahyuk), bevor er nach Ebenezer geschickt wurde. In Ebenezer starb er, nach 17 Jahren auf der Missionsstation.

Die Ebenezer Mission wurde 1904 aus mehreren Gründen geschlossen. Ein Grund war der Tod des letzten Missionars, Bruder Bogisch, im Jahr 1903. Noch ein Grund war die kleine Zahl der reinrassigen Ureinwohner, die in Victoria noch existierten. Im Jahre 1886 befahl ein neues Parlamentsgesetz, dass alle mischblütigen Ureinwohner unter dem Alter von 34 Jahren die Missionsstation verlassen mussten; das reduzierte die Zahl der Ureinwohner auf der Station Ebenezer beträchtlich. Da nicht viele Leute in Ebenezer noch wohnten, und da drei andere Stationen im Bundesstaat noch im Betrieb waren, beschloss man die Schließung der Ebenezer Missionsstation. Die Missionsstation war 45 Jahre lang in Betrieb und galt als sehr erfolgreich. Das Land wurde aufgeteilt und zum Ackerbau verkauft, außer einem kleinen Teil, auf dem die Gebäude noch stehen. Diese sind die ältesten noch stehenden Missionsgebäude in Victoria.

(Foto © D. Nutting) Gebäude
Missionsgebäude:
Küche und Unterkunft für die jungen Mädchen, 1870

(Text freundlicherweise von Felicity Jensz für diese Website verfasst, 2001. Fotos: D. Nutting.)

Anmerkung:
Zwischen 1851-1919 betrieben die Herrnhuter Brüder sieben Missionsstationen in Australien:
1851-56 Lake Boga, nicht weit von Swan Hill, Nordwest-Victoria
1859-1903 Ebenezer
1866-1868 Lake Kopperamanna, im Becken des Lake Eyre, ~1000 km nördlich von Adelaide (16 km von der Missionsstation am Lake Killalpaninna, die lutherische Gemeinden im Barossa-Tal 1867 gründeten)
1863-1907 Ramahyuck, Gippsland, Victoria
1891-1919 Mapoon, im Norden der Halbinsel Cape York, bei der Mündung des Wenlock-Flusses in den Golf von Carpentaria
1898-1917 Weipa, an der Westküste der Halbinsel Cape York
1904-1914 Aurakun, bei der Mündung des Archer-Flusses in den Golf von Carpentaria

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